Das kurze Leben der Ruth Maier

Ausstellung in einfacher Sprache

Die Wiener Volkshochschulen und das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) haben mit Kursteilnehmer:innen der Initiative Erwachsenenbildung (IEB) eine Ausstellung erstellt, die 2024 und 2025 vom Verband Österreichischer Volkshochschulen (VÖV) aus auf Österreich-Reise in die Landesverbände der Volkshochschulen geht. Begleitet wird die Ausstellung von einem thematisch passenden Workshop, der mit zum Ausstellungskonzept gehört.


Helmut Mödlhammer (Vorstandsvorsitzender Volkshochschule Salzburg), Anna Schiester (Stadträtin Bürgerliste - Die Grünen in der Stadt), Nicole Slupetzky (Direktorin Volkshochschule Salzburg), Barbara Brunmair & John Evers (beide Verband der Volkshochschulen Österreichs) bei der Ausstellungseröffnung (v.l.n.r.)

Zu Gast in Salzburg

Ausstellungseröffnung: 16.04.2025, um 17:30 Uhr

Begrüßung um 18:00 Uhr

Ort: Altes Rathaus, Kranzlmarkt 1, 5020 Salzburg

Im Alten Rathaus bleibt die Ausstellung dann bis zum 02.05.2025 und übersiedelt am 05.05.2025 in die Volkshochschule Salzburg, wo sie bis zum 13.06.2025 zu sehen sein wird. Weiter geht es dann in Bischofshofen und zwar vom 16.06. bis zum 18.07.2025.

Entdecken Sie die bewegende Geschichte von Ruth Maier in einer Ausstellung, die in Einfacher Sprache, Standarddeutsch und Englisch präsentiert wird. Der begleitende Workshop zur Ausstellung bietet speziell für Unterrichtende in Basisbildung, Pflichtschulabschluss-Kursen und DaZ/DaF eine Einführung in das begleitende didaktische Material. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Holocaust Education in Ihren Unterricht zu integrieren. Die Teilnahme am Multiplikator:innenworkshop ist kostenlos! Eine Anmeldung ist allerdings erforderlich, da die Teilnehmer:innenzahl begrenzt ist.

 


Dokument eines viel zu kurzen Lebens

Zentrales Element der Ausstellung sind Ruth Maiers Tagebücher, die ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Gedanken, Gefühle und Erfahrungen geben. Sie berichten vom Alltag in Wien, von wachsender Entrechtung und Gewalt nach dem „Anschluss“, vom erzwungenen Schulabbruch und Wohnungsverlust – und von der verzweifelten Hoffnung auf Sicherheit in der Fremde.

Fotografien, Zitate und historische Dokumente geben Einblick in ihre Kindheit, die Zerschlagung ihres Familienlebens, ihre Flucht, ihre Freundschaft und Liebesbeziehung mit der norwegischen Dichterin Gunvor Hofmo sowie in die letzte Phase ihres Lebens vor der Deportation. Ruth Maiers Stimme, bewahrt durch ihre Tagebücher, macht sie zu einer unvergesslichen Zeugin der Shoah – oft als „norwegische Anne Frank“ bezeichnet.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und des Norwegischen Zentrums für Holocaust- und Minderheitenstudien und wurde bereits in mehreren Ländern gezeigt. Sie erinnert eindringlich daran, was geschehen kann, wenn Menschen entrechtet, ausgegrenzt und verfolgt werden – und was es heißt, in dunklen Zeiten Menschlichkeit zu bewahren.

Zwei Ausstellungsbesucher beim Betrachten der Exponate.


Stimmen zur Ausstellung:

 

Erinnern heißt Verantwortung übernehmen

“Niemals vergessen!”

Helmut Mödlhammer, Hanna Feingold, Othmar Peter Zier und Anna Schiester teilen in kurzen Videostatements ihre Eindrücke von der Ausstellung „Das kurze Leben der Ruth Maier“ – und machen deutlich, wie aktuell und bedeutsam ihre Botschaft heute ist.

Sie sprechen über die Kraft der Erinnerung, die Bedeutung von Haltung und Zivilcourage, die Zerbrechlichkeit der Demokratie und die Notwendigkeit, sich täglich für Freiheit und Miteinander einzusetzen. Ruth Maiers Geschichte wird so zum Ausgangspunkt für Reflexion, Mitgefühl – und zum Aufruf, nicht zu vergessen.

Die Statements laden dazu ein, tiefer in die Thematik einzutauchen – persönlich, nahbar und bewegend.


Kurzbiographie Ruth Maier

Kaum jemand in Österreich kennt die aus Wien stammende Ruth Maier, deren Tagebücher und Briefe aufgrund einer norwegischen Initiative seit 2014 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes (Memory of the World) sind – nur sieben Jahre, nachdem der norwegische Schriftsteller Jan Erik Vold sie erstmals publiziert hatte.
Ruth Maier wurde 1920 in Wien als Tochter des Vorsitzenden der Postgewerkschaft, Ludwig Maier, geboren. Als Jugendliche begann sie Tagebücher zu schreiben.
An ihrem 18. Geburtstag wurde sie Zeugin der Gewaltexzesse des Nazi-Mobs während des Novemberpogroms 1938 in Wien: Ruth Maier, die zuvor keinerlei Beziehung zum Judentum hatte,
begann in ihrem Tagebuch eine Auseinandersetzung über ihre Identität.
Verjagt von der Schule, delogiert aus der Gemeindewohnung, ohne jede Zukunft im NS-beherrschten Österreich, fand sie im Jänner 1939 Zuflucht in Norwegen.
Im November 1942 lieferte die Polizei der Quisling-Regierung sie an die Nationalsozialisten aus.
Gemeinsam mit Hunderten norwegischen Jüdinnen und Juden von Oslo nach Auschwitz deportiert, wurde sie dort am 1. Dezember 1942 ermordet.

Ruth Maier im Arbeitsdienstlager im Sommer oder Herbst 1941, Foto: Alle Rechte vorbehalten, Norwegisches Holocaustforschungszentrum “HL-senteret”

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