Was geht mich der Holocaust an? – eine Frage an die Enkelgeneration

Sacha Battyany, Journalist bei der Neuen Zürcher Zeitung und Autor und Stefan Slupetzky, Schriftsteller und Musiker trafen sich am 13. März zu einer Diskussion im Rahmen des Gedenkjahres als zwei Vertreter der Enkelgeneration.

Was die Autoren verbindet geht über ihr Enkelsein hinaus. Beide kennen das Schweigen auf der Täterseite in ihren Familien, die mühsame Suche nach der tatsächlichen Wahrheit, nicht der verklärten. Und beide kennen auch die erbosten bis drohenden Reaktionen der weiteren Verwandtschaft, sobald die Recherchen ruchbar werden. Beide Bücher verbindet darüber hinaus, dass sie letztlich auch von Vater-Sohn-Beziehungen handeln, von Barrieren zwischen den Generationen, von vertanen Chancen der Aussprache, der Auseinandersetzung.

Was die beiden unterscheidet, ist die Herangehensweise: Battyany versucht seine Annäherung über die Recherche. Dabei stößt er bald an seine Grenzen, denn es geht ja auch um ihn und wie schreibt man über sich selbst? Slupetzky nähert sich dem Thema als Schriftsteller, meint, 80% Stefan Slupetzky stecken in Daniel Kowalski, dem Protagonisten seines Romans, manche Fakten seien ein Stück „ver-rückt“. Battyanys Familiengeschichte zeigt eine Mitläufergeschichte mit vielen Facetten und Brüchen, bleibt bei manchem angewiesen auf Vermutungen, stellt sich mehrmals in seinem Buch die Frage, „Was wäre gewesen, wenn es anders gelaufen wäre“. Wie viele Leben hätten anders verlaufen können. Er beschreibt seine Reisen an die Orte der Geschehnisse, die Kontakte zu Opfern, wichtige Voraussetzung für seinen Wunsch nach Verstehen, nach Be-greifen. Slupetzky weiß vielleicht – wie er selber meint - mehr, wo er hingehört, nämlich zu der Seite seiner jüdischen Mutter. Die väterliche Linie führt geradlinig zu den Tätern. Er hat nicht das Gefühl, ohne die Geschichte aufgewachsen zu sein, fragt sich aber manchmal, was trotzdem nicht erzählt wurde. Das Leugnen auf der Täterseite trifft ihn mehr aus der Distanz.

Beide haben uns als Produkte ihrer Auseinandersetzung wichtige Bücher hinterlassen. Sie haben uns, den anderen Enkeln, wie es eine Besucherin der Diskussion so treffend formulierte, die Arbeit abgenommen, jeder selber ein Buch schreiben zu müssen.

Beide Bücher gibt es in der Öffentlichen Bibliothek auszuleihen!
Gehen sie ein Stück mit auf dieser Spurensuche und Annäherung.


VHS

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